Dienstag, 1. Januar 2013

Südamerika, VIII Akt



auf dem Weg zum Paso Sico

Mit einiger Überwindung und viel Willensstärke gelang es uns letztendlich doch Santiago den Rücken zu kehren. Nach zwei Wochen mit festem Dach über dem Kopf mussten wir uns erst einmal wieder an das Leben mit Zelt gewöhnen.




Die wunderbare Landschaft rund um den Aconcagua (6.962m) war dabei eine große Hilfe und so stellten wir schnell fest, dass wir die Freiheit des Reisens doch vermisst haben. Gleich nach der Grenze auf argentinischer Seite begrüßte uns der Nationalpark Aconcagua. Eine kleine Rundwanderung führte uns zu mehreren schönen Ausblicken auf den höchsten Berg Südamerikas. Die Argentinier betonen auch gern mit stolz geschwellter Brust, dass dies ebenfalls der höchste Berg außerhalb des Himalayas ist.  Wie dem auch sei, die Landschaft und der Berg faszinierten uns.

am Aconcagua
alter Bahnhof in Argentinien
schneebedeckte Berge bei Mendoza


Nach dem kurzen Abstecher ging es weiter nach Mendoza, die bekanntlich schönste Stadt Argentiniens. Die Stadt ist auch ganz hübsch und vielleicht ist sie wirklich die Schönste, denn sauber und ruhig ist sie, aber das Besondere fehlt. Nicht ein lohnendes Bildmotiv fanden wir hier… Was hat das nun zu bedeuten?

endlose staubige Straßen
Durch eine endlose trockene, bis zu 40°C heiße Steppe fuhren wir schnurgerade Straßen weiter südlich nach San Rafael. Wie Mendoza ist auch San Rafael eine grüne Oase in dieser eintönigen Weite. Allerdings gefiel uns diese Stadt ein klein wenig mehr mit ihrer angenehmen Fußgängerzone und den vielen vielen Bäumen. Lange verweilten wir trotzdem nicht und nach einem kurzen Erkundungsstopp brachen wir zum gleich dahinter liegenden Staudamm und Canyon auf. Der See des Staudamms erschien uns wie aus dem Bilderbuch. Intensiv türkis leuchtend, mit kleinen Sandstränden, liegt er zwischen sanften Hügeln. Der sich anschließende Canyon  blieb uns durch seine bizarren Felsformationen, die sich rechts und links neben uns erhoben, in Erinnerung. 

Staudamm bei San Rafael
grandioser Canyon
Canyon aus Lavagestein

3. Advent mit dt. Plätzchen
staubige aber schöne Steppe
erste Wolken!


einfache Vorfahrtsregeln
Da wir für Weihnachten viele Kilometer weiter südlich in  Chile verabredet waren, bewunderten wir die argentinischen Anden und Täler nur noch aus dem Auto heraus. Auch beobachteten wir wie sich dunkle Wolken von Chile über das Bergmassiv schoben und hier wollten wir nun wieder die Grenze passieren…
Aber der Plan stand und so fuhren wir geradewegs in das schlechte Wetter. Und es kam wie es kommen musste: es regnete sich ein. Glücklicherweise fanden wir einen noch nicht aufgeweichten Zeltplatz und eine kurze Regenpause erlaubte uns, das Zelt schnell aufzubauen und uns darin zu verkriechen – für zwei Tage!
Wenn es nicht regnete, das schneite und hagelte es. Mit viel Cola-Whiskey und Bier ließ es sich aber dennoch aushalten.

unfreiwillige "Pause"
idyllischer Campingplatz
Zelt etc. trocknen ist angesagt

im NP Villarica
Nach dem Regen kommt bekanntlicherweise die Sonne. Und so war es! Ein wunderschöner wolkenloser Tag sollte uns vergönnt sein, den wir im Nationalpark Villarica nutzten. Eine unglaublich schöne Wanderung führte uns durch Wälder mit bis zu 2.000 Jahre alten Araucanien, vorbei an idyllischen Lagunen mit Ausblicken auf weiße Berge und den schneebedeckten aktiven Vulkan Villarica. Hier erblickten wir einen Teil der Schönheit der viel gerühmten Seenregion von Chile und waren begeistert! Mehr bekamen wir vorerst nicht zusehen, denn die dunklen Wolken und der Regen verhüllten alles. Und da es wieder einmal nicht aufhören wollte, entschieden wir uns auf direktem Weg zu der kleinen Hütte zu fahren, in der wir uns mit der jungen Leipziger Familie – den Schmidtis – die wir in Bolivien kennen lernten, für die Weihnachtstage treffen wollten. 

trotz Regen toll!
ohne Worte
verdiente Mittagsrast

beim Plätzchen backen
Und hier waren wir dankbar für diese dunklen kalten Tage, denn so konnten wir unseren Kaminofen in dieser niedlichen Hütte einfeuern. Der Weihnachtsbaum und der Duft von selbstgebackenen Plätzchen taten das Restliche uns in Weihnachtsstimmung zu versetzen. So kam der 24. und damit auch ein aufgeregter aber doch überzeugender Weihnachtsmann, den der kleine 2-jährige Emil ohne große Scheu Willkommen hieß und ihm beim Verteilen der Geschenke tatkräftig unterstützte. Wie es die Tradition verlangt, gab es auch bei uns nicht nur Stollen und Lebkuchen, sondern Kartoffelsalat mit Bratwürsten und am ersten Feiertag eine selbst geschlachtete und gerupfte Ente – eine etwas gewöhnungsbedürftige Erfahrung! 

unser Weihnachtsbraten
einfach lecker!
Bescherung

Blick aus unserer Hütte
Nach den Feiertagen verabschiedeten wir uns für drei Tage, um die Insel Chiloé zu erkunden. Unser Reiseführer warnte uns schon vor dem Inselwetter: wenn es nicht regnet, nieselt es zumindest. Und so war es auch. Einen Nachmittag zog es kurz auf und wir konnten die schöne Landschaft bewundern, den Rest verbrachten wir wieder in der Nässe. Nun ja, es hat ja einen Grund, warum in dieser Region alles so wunderbar grünt und blüht. Aber nicht nur für das Wetter ist die Insel bekannt, sondern auch für ihre zahlreichen Kirchen, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurden. Drei von denen betrachteten wir, dann hatten wir genug von den aus Brettern errichteten Gebäuden, die zwar ganz nett anzusehen waren, aber an die einfache Dorfkirche aus Deutschland nicht heranreicht. 

auf dem Weg zur Insel Chiloé
am Strand von Chiloé
UNESCO Weltkulturerbe (Kirche)


traumhafte Landschaft
typische Gebäude auf der Insel
das Beste auf Chiloé: Curanto

allg. Neujahrsbaden in Puerto Varas
Pünktlich zum Jahreswechsel waren wir zurück in der Hütte bei den Schmidtis und verbrachten hier einen ruhigen geselligen Silvesterabend mit einem guten Wein und Muscheln satt. Der 1.1. begrüßte uns mit einem strahlend blauen Himmel und nun sitzen wir vor unserer Hütte und genießen diesen grandiosen Blick auf die Stadt, den See und die Vulkane und lässt uns wünschen, dass alles so weitergeht wie bisher: Donkey fährt, wir verstehen uns, die Landschaft ist hervorragend, der Alkohol fließt, das Essen schmeckt und die Menschen sind herzlich.

In dem Sinne wünschen wir euch allen ein gesundes neues Jahr 2013 und dass es nach euren Wünschen und Vorsätzen verläuft!!

Viele Grüße,

Jule und Steffen

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