Donnerstag, 14. März 2013

Südamerika, X Akt




Tierra del Fuego - Lago Blanco
Ushuaia – unser großes Reiseziel – lag nun hinter uns und um diesen Abschnitt des Abenteuers setzen zu lassen, brauchten wir erstmal eine kurze Pause. Der Lago Blanco auf der chilenischen Seite von Feuerland bot dafür den idealen Platz. Während wir durchatmeten und zur Ruhe kamen, verfeinerten wir unsere Brotbackfähigkeiten (mit Zwiebeln und Knoblauch – nur zu empfehlen!), beobachteten Leute – aus Ermangelung einer eigenen Rute – beim erfolglosen angeln und genossen das unerwartet windstille und warme Feuerland.

Pampa auf Feuerland
Magellanpinguin
Als es aber zu regnen anfing, brachen wir unser Camp ab und fuhren nun endgültig Richtung Norden. Entlang der argentinischen Atlantikküste gab es nicht viel zu sehen und so bestanden unsere Tage aus fahren durch endlose Steppen, unterbrochen von wenig attraktiven Küstenorten und Ölpumpen. Einen lohnenswerten Zwischenstopp legten wir allerdings im Nationalpark Monte Leon ein. Hier wanderten wir durch sanfte trockene Hügel zum Meer, an dessen Strand sich zehntausende Magellanpinguine tummeln. Ganz nah und ohne jegliche Scheu putzten und räkelten sie sich auch am Wegesrand und ermöglichten uns so einen herrlichen Blick auf diese niedlichen Geschöpfe.

an der Atlantikküste
mal wieder Minusgrade
im NP Monte Leon
 

nichts als Nichts!
In Comodoro Rivadavia, einem wirklich hässlichen Ort inmitten von Ölfeldern, bogen wir ins Landesinnere Richtung Westen ab. Da der patagonische Wind auch hier noch keine Ruhe geben wollte, sahen wir zu, dass wir die knappen 600km zum Andenrand in kürzester Zeit schafften. Die Landschaft wurde zunehmend hügeliger bis wir in den Ort Esquel bogen, wo wir uns plötzlich nicht nur zwischen hohen Bergen wieder fanden, sondern auch in Wäldern. Sofort wurde uns die Gegend sehr sympathisch, auch wenn die Temperaturen noch nicht die wünschenswerte Marke (eine wenigstens zweistellige Zahl) erreicht hatten. Das sollte sich am nächsten Tag schlagartig ändern und in dem Hippi-Touristenort El Bolson warfen wir die Jacken und Pullover von uns. 

Unser Ziel für diesen Monat lag nun direkt vor unserer Nase: der Nationalpark Nahuel Huapi und der sich nördlich anschließende Nationalpark Lanin.

Kirche in Bariloche
Den ersten Halt durch die argentinische Seenregion legten wir in San Carlos de Bariloche ein, in der Hoffnung auf reichlich Informationsmaterial über die Region. Diese wurde uns aber gleich durch eine verrückt artikulierende Dame in der Touristeninformation zunichte gemacht und so mussten wir auf unseren Lonely Planet und die vorhandenen Wegweiser bauen.

Einer davon machte uns auf eine 4x4 Strecke hinauf zu einem Refugio aufmerksam. Donkey meisterte den wirklich steilen Anstieg ohne Probleme und machte uns damit mächtig stolz. Mit der
wo andere einen Lift brauchen...
Erlaubnis des Almhirten schlugen wir unser Zelt vor einem der spektakulärsten Ausblicke unserer Reise auf. Der große See Lago Nahuel Huapi und einige weitere kleine Seen lagen eingebettet zwischen bewaldeten Hügeln unter uns. Da dieser Anblick so faszinierend war, stellten wir den Wecker für den nächsten Morgen auf 5:30Uhr, um den Sonnenaufgang zu erleben. Als die Sonne sich dann endlich gegen 7:00Uhr zeigte, bot uns die Natur ein unglaubliches Schauspiel. An diesem tollen Ort, zu dieser frühmorgendlichen Stunde hatten wir wieder einmal das Gefühl alles genau richtig gemacht zu haben!

Camp über der Seenplatte
 auf der Alm
über den Wolken

 
typische Landschaft um San Martin
Die Straße führte weiter durch die bewaldete Andenkette an vielen schönen Seen vorbei. Hier und da machten wir Pause, um die Landschaft zu genießen, kleinere Wanderungen zu unternehmen und dieses Leben voll auszuschöpfen.
tolles Camp!




Einladung zum Asado - lecker!!!!
Bald schon erreichten wir den hübschen im alpendörflichen Stil errichteten Ort San Martin de los Andes. Die Landschaft war traumhaft und die Schokolade schmeckte lecker und so stand für uns fest: in dieser Gegend würden wir einige Tage verbringen. An dem nahe gelegenen See fanden wir einen tollen Campingplatz wo wir Feuer machten, zu Fuß an den Strand gelangten, schwammen, uns in der Sonne räkelten und Argentiniern bei einer Autopanne halfen. Zum Dank für das Ausleihen einer Metallsäge wurden wir gleich zum Asado eingeladen und durften wieder Zeuge werden wie kiloweise Rind auf dem Grill garten. 


Mhhhhhh.....!
"Strandtag"
idyllischer Campingplatz!

heiße Quellen kurz vor der Grenze
Nach einem mit Internet und Einkauf überstandenen Regentag fuhren wir in Richtung Paso Carirrine, um noch ein letztes Mal nach Chile einzureisen. Wir können es nicht oft genug sagen: die Landschaft mit ihren Bergen und Seen war auch auf dieser Strecke unglaublich toll und einfach wunderschön.



dem Arbeitstempo angepasst
beim Pflaumenklau
In Chile fuhren wir auf altbekannten Wegen durch den nördlichen Teil der Seenregion. Vor gut drei Monaten waren wir schon einmal auf dieser Route unterwegs, allerdings im Nebel, Regen und Schnee. Jetzt wollten wir das Ganze bei Sonnenschein erleben und tatsächlich war uns das Glück hold: das Wetter was stabil, schön und warm. Nachdem wir einen Nachmittag mit Stefan, einem Münchner (der allein mit seinem Wohnmobil Südamerika bereist), angenehm verlebten, besuchten wir den Nationalpark Conguillio. Einer der aktivsten Vulkane Südamerikas bildet das Zentrum und natürlich die Hauptattraktion des Parks. Von der Schotterpiste und von einigen Wanderungen aus bestaunten wir die bizarre Landschaft, die die erkalteten Lavaströme umrahmt von Araukarienwäldern boten. 

Camping unter Araukarien
toller Ausblick als Belohnung
Vulkan Conguillio

man gönnt sich ja sonst nichts!
Jule in ihrem Element
Außerdem wurde hier wieder unser Sammlertrieb wach. In der Grenzregion beluden wir Donkey schon reichlich mit selbst gepflückten Brombeeren und Pflaumen, nun sammelten wir in dem Nationalpark noch säckeweise Pinones – die Früchte der Araukarien. Diese sollten allerdings nicht die einzigen kulinarischen Highlights in Chile bleiben. Von dicken saftigen Rindfleischstücken, Garnelen und Muscheln, über guten Wein und eine am Straßenrand gefundene Johnny Walker Flasche (original verpackt!) zu frischen Fisch und kürzlich geernteten Äpfeln, Weintrauben und unheimlich süßen Erdbeeren war und ist alles auf unserer Speisekarte. Also keine Sorge: uns geht’s auf unseren letzten Wochen hervorragend!!


Nachdem wir vor etwa drei Wochen die Atlantikküste hinter uns gelassen hatten, verließen wir vor wenigen Tagen den Pazifik mit seinen teilweise hübschen Küstenorten, den Seelöwen und Pelikanen, den hohen Wellen und seinem rauem Klima. 

Seelöwenkolonie
hübsches Fischerdorf
Ruta del Mar am Pazifik

in den Weinbergen
Nun befinden wir uns in der größten Weinregion Chiles, probieren hoffentlich noch einige der edlen Tropfen und sind überrascht und angetan von dem mediterranen Klima und den wirklich schönen Dörfern. Eine kurze Zeit gönnen wir uns noch in der ruhigen entspannten Gegend bis wir wieder in die Großstadt einfallen, um mit Lore und Dani zu feiern, essen, wenig schlafen und Spanisch zu lernen… Santiago wir kommen!

Viele Grüße,

Jule und Steffen

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