Montag, 29. Oktober 2012

Südamerika, VI Akt



die gefährlichste Straße der Welt
Als wir 2003 schon einmal in Bolivien waren, fuhren wir die gefährlichste Straße der Welt – vom La Cumbre Pass nahe La Paz auf 4.600m ü.N.N. nach Coroica auf 2.300m ü.N.N. -  mit den Mountainbikes hinab. Heute wird sie allgemein die „Death Road“ genannt. Doch das noch einzige wirklich gefährliche daran sind die rund 200 Radfahrer am Tag selbst. Die LKW’s, die der teilweise sehr schmalen, an vielen Stellen am Fahrbahnrand bis zu 200m tief abfallenden Straße ihren Namen gaben, befahren seit einigen Jahren eine neue ungefährliche Straße. Die einzigen, die sie also noch benutzen sind die Touristen und so auch wir!


 
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schmal und neblig!
kurz vor dem Abgrund
 

Zusammen mit einem dt. Motorradfahrer, der in unserem Alter und allein unterwegs ist, fuhren wir die Schotterpiste nach La Paz hinauf. Landschaftlich ist die Strecke wirklich ein Traum. Nur muss man eben ziemlich auf die Fahrbahn achten, denn einige der entgegen kommenden Radfahrer haben den nur hier vorgeschriebenen Linksverkehr nicht begriffen. 


Cordillera Real entlang des Weges
Nach diesen überwältigenden 2.300 Höhenmetern und sozusagen immer noch lebendig, begaben wir uns auf den Weg zum Titicacasee  -  dem höchsten schiffbaren Süßwassersee der Erde. Begleitet wurden wir auf dieser Strecke von der schneebedeckten Cordillera Real, die uns immer wieder zum anhalten brachte, um diesen majestätischen Gebirgszug zu bestaunen. In Copacabana fanden wir einen Zeltplatz direkt am See und genossen gemeinsam mit Matthias, dem Motorradfahrer, den Ausblick, das Essen (frische Forellen), die gemütliche Atmosphäre und eine Wanderung an einem verregneten Tag über die Sonneninsel. Nach drei Tagen hieß es dann leider voneinander Abschied nehmen, denn Matthias sein Weg führt weiter nach Peru gen Norden mit dem Ziel Alaska und unserer sollte nun endlich nach Süden führen. 


Blick über die Halbinsel
Blick auf Copacabana
frischer Fisch!



auf der Fähre über den Titicacasee
Rundfahrt um Copacabana
auf der regnerischen Sonneninsel



20kg Nudeln + Whisky Cola
Wir machten noch einen kurzen Zwischenstopp in La Paz, um die wichtigsten Vorräte in dem günstigen Bolivien aufzufüllen: Nudeln und Alkohol. Danach fuhren wir voller Vorfreude, durch bizarre Sandsteinformationen, an mystischen Grabtürmen und am höchsten Berg Boliviens dem Vulkan  Sajama mit 6.542m vorbei, zur chilenischen Grenze. Dort verlief im Prinzip alles reibungslos, bis auf 
der höchste Berg Boliviens
das uns unser Vorrat an Knoblauch und Honig weggenommen wurde. (Die Einfuhr von Frischeprodukten sowie Honig und Holz sei verboten). Und so durften wir passieren – in das Land hinein, von dem wir die höchsten Erwartungen haben. Einen sonderlich guten Start legten wir aber nicht hin, denn der einzige Bankautomat im Umkreis von 150km funktionierte nicht und die Bank war wegen Sonntag geschlossen. Das hieß Nudeln mit Büchsengemüse satt.



Zwillingsvulkane an der Grenze
Chile!
Grabtürme entlang des Weges

Als wir am nächsten Tag doch Geld bekamen, deckten wir uns für die weiteren Tage reichlich ein, denn unsere Route sollte uns über 300km durch zwei Nationalparks ohne Zivilisation führen. 


kalte Nächte im Nationalpark
Schon auf den ersten Kilometern zeigte uns der Nationalpark Lauca seine Schönheit. Perfekt geformte schneebedeckte Vulkane ragten aus der Landschaft – darunter noch einige Aktive, die sich durch Rauchzeichen zu erkennen gaben, die Feuchtgebiete unterbrachen mit ihrer grünen Vegetation das karge Altiplano, Salzwüsten und –seen bildeten sich am Fuß der Berge und überall wimmelte es von Leben: Vicunas, Emus, Lamas, Alpacas, Viscachas und Flamingos waren zahlreich vertreten. Auch in medizinischer Hinsicht war für unser Wohl gesorgt: heiße Quellen in natürlichen Becken, die durch ihre mineralische Zusammensetzung einen positiven Effekt auf Körper und Geist haben sollen, luden zum baden ein. Oder war es doch das Bier, welches uns so munter stimmte?
Wie  dem auch sei, Chile gefiel uns und wir freuten uns auf die Wiederkehr, aber zuerst wollten wir ein letztes Mal nach Bolivien.

ein Bierchen in Ehren ...
im Nationalpark Lauca
Alpacas beim grasen


Die Südwestspitze Boliviens bildet die Salar de Uyuni, die größte Salzwüste der Erde und das sich daran anschließende „Reserva National de Fauna Andina“. Wieder mussten wir für ca. eine Woche planen, denn solange würde es dauern dieses einzigartige Fleckchen Erde zu durchqueren.

Blick auf die Salzwüste
Camp mitten im Salz!
die wahrscheinlich höchste Zollstation
Die Salar umfasst eine riesige Fläche einfach nur Salz auf einer Höhe von 3.700m. Wohin wir auch blickten, überall war Weiß zu sehen. Nur am Horizont zeichneten sich Berge ab. Gigantisch – mehr fällt uns dazu nicht ein. Wir fuhren 200km über dieses endlos erscheinende Plateau und deckten damit nur einen Bruchteil den Ganzen ab. Das Reserva National zeichnete sich vor allem durch seine vielfarbigen Lagunen mit den riesigen Schwärmen von Flamingos, den braunen staubigen Wüsten, Vulkanen und seinen schlechten Straße aus. Wir genossen, trotz der vielen Touristen, diese letzten Tage im abwechslungsreichen Bolivien und waren doch ein klein wenig traurig als wir endgültig auf der wohl höchsten Zollstation mit 5.020m (200m höher als der Mont Blanc) „Tschau“ sagen mussten. 


Ausblick beim Mittag!
Lecker!!!
Flamingos an einer Lagune

Wüste auf knapp 5.000m
Dali-Wüste in Bolivien
Bolivien hat uns wirklich überrascht mit seinen gepflegten Städten, dem tollen Essen und der herrlichen Landschaft. Aber in den drei Monaten, die wir dort verbrachten, lernten wir auch die „Schattenseiten“ kennen. Für Individualtouristen wie uns, ist im Prinzip keine touristische Infrastruktur vorhanden. Immer mehr bekamen wir das Gefühl, dass der Bolivianer gern seine Hand aufhält, aber dafür wenig bietet. Und am Ende machte uns das teilweise echt wütend! Wir empfehlen dieses Land wirklich jedem als Urlaubsziel, aber nun freuten wir uns auch einfach, dass es weiter geht, dass wir wieder ein neues Land vor uns haben, das es zu entdecken gilt und ein Altbekanntes, das wir weiter erforschen wollen.


in San Pedro de Atacama
Von Bolivien aus machten wir noch einmal kurz in dem sauberen, ordentlichen, doch europäisch angehauchten San Pedro de Atacama in Chile halt und erfuhren sogleich wie viele Menschen es doch gibt, die ähnliche Ideen und die gleiche Abenteuerlust besitzen wie wir. Zwei englische Pärchen davon lernten wir auf unserem Zeltplatz kennen. Die einen sind in Kanada aufgebrochen und die anderen umfahren mit ihrem Landrover Defender tatsächlich die Erde. Von England sind sie gen Osten durch halb Russland und Asien gefahren bis sie in Südamerika eintrafen. Wir ließen uns von so viel Ehrgeiz aber nicht beirren und fuhren weiter, abermals vorbei an idyllischen Lagunen und endlosen Bergketten, nach Argentinien. Über den Paso Sico (4.080m) ging es auf das argentinische Altiplano, das wieder durch seine unendliche Weite Faszination ausübt.

auf dem Weg nach Argentinien
 Nun befinden wir uns am südlichen Rand dieser Hochebene. Noch einmal geht es auf knapp 5.000m hinauf bevor wir das Altiplano endgültig hinter uns lassen. Nach Wochen in dieser meist baumlosen, tristen, oft durch bizarre Bergformationen und Gesteinsfarben geprägten Hochgebirgslandschaft freuen wir uns nun auf das Meer, die Wälder und die hoffentlich steigenden Temperaturen. 



Bis dahin liebe Grüße,

Jule und Steffen

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